Unsere Recherchen

über die Bedingungen für Geflüchtete

in Zielstaaten von Abschiebungen

Seit einigen Jahren recherchieren wir auch Recherchen über die Bedingungen und Lebensumstände von geflüchteten Menschen, die von Abschiebungen in besonders wichtige europäische Ersteinreiseländer betroffen sind. Denn Abschiebungen in diese europäischen Staaten gehen oft mit einer massiven Entrechtung einher. Zugleich gibt es hierzu in vielen Fällen wenig Dokumentation. Deshalb sind solche Recherchen vor Ort – neben unserer unabhängigen Beratung für kirchenasylsuchende Menschen und kirchenasylgewährende Kirchengemeinden – mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Arbeit.

Oktober 2026:

Recherchereise nach Litauen & Lettland

Im Oktober 2026 werden wir zusammen mit dem Netzwerk Asyl in der Kirche Berlin-Brandenburg eine Recherchereise nach Lettland und Litauen unternehmen, um die Lebenssituation von Personen zu dokumentieren, die dorthin abgeschoben worden sind.

Eine Recherchereise nach Lettland und Litauen ist aus unserer Sicht sinnvoll, da sich Fluchtrouten zunehmend nach Norden verschieben und zugleich nur wenige Berichte über beide Länder veröffentlicht sind. In unserer täglichen Kirchenasyl-Praxis beraten wir immer wieder Menschen, die in Litauen und Lettland menschenunwürdige Zustände erlebt haben. Unsere Recherchereise soll diese inhumanen Härten dokumentieren und auf sie Aufmerksam machen.

Spendenaufruf: 5000 € für unseren unabhängigen Menschenrechtsbericht

Um diese Recherche durchführen zu können, richten wir einen Spendenaufruf an alle, die unser Anliegen teilen und bitten um Unterstützung dieses Projektes. Wir brauchen noch mindestens 5000 € an Spendengeldern, damit wir die Recherchereise am 04. Oktober 2026. Spenden sind steuerlich absetzbar und können ganz einfach über unser Spendenformular aufgegeben werden:

Neuigkeiten rund um unsere Recherchereise nach Litauen und Lettland werden wir hier stets aktuell halten.

Vielen Dank für Ihre & Eure Unterstützung!

Unsere Bulgarien-Recherche (2024)

Systematische Verelendung im Transitland – kein Bett, kein Brot, keine Seife

Zuletzt haben wir im September 2024 eine Recherchereise nach Bulgarien unternommen, um die Situation von Geflüchteten zu dokumentieren, die eine Abschiebung nach Bulgarien erfahren haben. Bulgarien ist einer der Zielstaaten von Abschiebungen, die innerhalb der EU (meist in Länder an der EU-Außengrenze) vorgenommen werden. Nach wie vor erreichen uns täglich zum Teil verzweifelte Anfragen von betroffenen Geflüchteten, ihren Unterstützer:innen oder Beratungsstellen und Rechtsantwält:innen auf der Suche nach Kirchenasyl, um eine Abschiebung nach Bulgarien noch zu verhindern. Gemeinsam mit Aktiven aus den Kirchenasyl-Netzwerken in Berlin-Brandenburg und Bayern sowie begleitet von einer Redakteurin der Süddeutschen Zeitung waren wir darum vor Ort, um uns selbst ein Bild von der Perspektivlosigkeit zu machen, in der diese Menschen sich wiederfinden. Unsere Recherchen zeigen die Auswirkungen der europäischen Entrechtungspolitik auf das Leben von Menschen, die nach Bulgarien abgeschoben werden. Unseren ausführlichen Bericht, der auch juristisch verwertet werden soll, kann hier nachgelesen werden.

Hintergrund:

Unsere Recherchen vor Ort

Mit rund 95 % betreffen die allermeisten Kirchenasyle Menschen, die im Rahmen des sogenannten Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) aus Deutschland in andere europäische Länder abgeschoben werden sollen. Bis Juni 2026 regelte dies die Dublin-III-Verordnung, die seit dem 12.06.2026 durch die Asyl- und Migrationsmanagementverordnung (AMMVO) der Europäischen Union abgelöst wurde. Wer in Europa Asyl beantragt, darf das dieser Verordnung (mit einigen Ausnahmen) nur in dem Land tun, in dem er oder sie zuerst europäischen Boden betreten hat. In unserer unabhängigen Beratung haben wir tagtäglich mit Menschen zu tun, die vor diesem Hintergrund aus Deutschland in ein solches Land abgeschoben werden sollen – aus dem alleinigen Grund, dass nach der AMMVO formal dieses Land für die Durchführung des Asylantrags zuständig ist. Allerdings berichten uns regelmäßig Menschen von der erniedrigenden und unmenschlichen Behandlung, die sie während ihres Aufenthalts dort bereits erfahren haben: Massive Grenzgewalt, illegale Pushbacks, mangelnde medizinische Versorgung und fehlender Zugang zu substantieller Rechtsberatung, unzureichende Versorgung mit teilweise verdorbenen Lebensmitteln, unzumutbare hygienische Zustände in völlig überfüllten und nicht selten geschlossenen Lagerunterkünften sind in vielen Staaten an der europäischen Außengrenze an der Tagesordnung. Für manche, aber längst nicht für alle der betreffenden Staaten besteht eine gute Berichtslage. Dabei konzentrieren sich die meisten Berichte auf die Situation von Menschen, die erstmalig in diese Staaten einreisen – nicht jedoch spezifisch auf die Situation von sogenannten “Rückkehrer:innen”, die im Rahmen einer Abschiebung aus einem anderen europäischen Land wieder in diese Staaten zurück abgeschoben werden. In Fällen von Kirchenasyl geht es jedoch in der Regel um genau diese Konstellation. Wir führen daher unabhängige Menschenrechts-Recherchen in Ländern durch, in denen die Berichtslage entweder allgemein vergleichsweise dünn ist oder ein Mangel an einem spezifischen Fokus auf die Situation sogenannter “Rückkehrer:innen” besteht.